___Melancholie___


Shooting credits:
Fotografie: Florian Hildebrandt & Sebastian Prince von kapturing

Styling: Chantal Sackey

Hair & Make-Up: Francesca Vigliarolo

Models: Thami, Austin, Roya, Casilda,



„Melancholie“ 

 

Eine bunt zusammen gewürfelte Gruppe von Jugendlichen suchte nach einem gemeinsamen thematischen Nenner. Vom Mobbing in der Schule über Ängste und Depressionen: das Gemeinsame waren der Deep Talk zwischen Nadel und Faden. Als Grundgefühl aller dieser besonderen Lebenslagen machten wir Melancholie zu unserer Muse. Melancholie ist die ins Schöpferische gewendete Depression. In der Romantik sah man in ihr eine besondere Auszeichnung der Künstlerpersönlichkeit und traute Melancholiker*innen Außerordentliches zu. Melancholie meint für uns auch alle Versuche, nicht in die lähmende Depression zu verfallen, also alle Versuche der Selbstheilung, vom Ritzen und sozialen Rückzug über Panik und Pillen bis hin zur künstlerischen Transformation durch Malen, Entwerfen und Machen. Dabei dient uns für die Kollektion der Maler Vincent van Gogh als Inspiration. Er kannte selbst Momente von tiefer innerer Düsterkeit, vor denen er in den satten Farben der Provence Zuflucht suchte. 

 

Das warm leuchtende Gelb und das kräftige lebendige Rot, das sich auf vielen seiner Gemälde findet, lockert auch die Farbpalette unserer Kollektion auf, die ansonsten von gedeckten Schwarz, Grau- und Blautönen dominiert wird, den Farben der Melancholie. Die Entwürfe der jungen Designer*innen sind tragbar, aber mit einer gewissen Finesse. Weite, an der Taille eng sitzende Hosen aus hochwertigem Denim von Berto Tessile, Denim-Kleider, die an altmodische Schwesternuniformen erinnern, Homewear-Outfits mit Pflaster-Applikation am Ärmel, Mäntel mit Pillen-Patches, öffnen ein Assoziationsfeld von „Wunde“, „Krankenhaus“, „Psychiatrie“ und „sozialer Rückzug“, aber auch „Trost“, „Heilung“ und „Resilienz“. Homewear steht in dieser Kollektion zum Einen für das Bedürfnis nach Rückzug und Alleinsein, zum Anderen für das Bedürfnis nach „Trost“ und „Umarmung“ (Einkuscheln), aber auch für die Fähigkeit der Selbstfürsorge (sich etwas Gutes tun).

 

Denim dient dabei als Leitmotiv im Bereich des Materials. Seine Kulturgeschichte als Rohstoff für robuste Arbeitskleidung, insbesondere der Seemänner, steht symbolisch für die Resilienz, Standhaftigkeit und Durchhaltevermögen im Umgang mit besonderen Lebenslagen und Gemütszuständen. Die bei Denim übliche Färbung mit Indigo und die daraus resultierenden Blautöne (Stichwort: Blue Jeans) deutet aber auch wieder auf den Bedeutungsspielraum der Melancholie selbst im Sinne von „Feeling Blue“ oder den blauen Bergen auf Gemälden der Romantik, die Sehnsucht nach Ferne, Reise und Befreiung und damit auch den melancholischen Seelenzustand des sich sehnenden Individuums symbolisieren. Der Weltschmerz der Romantik und die Teenage Angst des Grunge sind Spielarten der Melancholie, die Grundgefühle des Erwachsenwerdens und Heranwachsens ansprechen und über jede Besonderheit von Lebenssituationen hinaus auf eine allen Menschen gemeinsame Grunderfahrung verweisen (conditio humana). 

 

Die Träne als körperliche Grundreaktion des Trauerns, ist ein Grundmotiv der Kollektion. Sie verflüssigt das Sichtfeld und vernebelt den Blick. Im Nebelschleier der Melancholie ist kein Ding mehr mit sich selbst identisch und nichts eindeutig identifizierbar. Melancholie steht somit  auch für Identitätsverlust oder die Suche nach einem klaren Selbstbild in einer Welt, in der nichts mehr gewiss scheint und selbst der Blick in den Spiegel nur ein Gefühl von Verwirrung und Entfremdung zurückwirft. Positiv symbolisiert die Träne aber auch das Infragestellen von vermeintlichen Gewissheiten, und das ‚Verflüssigen‘ von veralteten Überzeugungen. Auch klassische Rollenbilder und Geschlechtszugehörigkeit sind nicht mehr eindeutig identifizierbar. Deshalb ist die Kollektion ‚unisex‘ und lässt auch in den Schnitten Spiel für einen kreativen und selbstbestimmten Umgang mit traditionellen Rollenbildern. 

 

In der Träne liegt der Keim des Aufbegehrens gegen einen aktuellen Zustand, der den/die Melancholiker*in traurig macht. Die Flüssigkeit der Träne spiegelt sich im Gender Fluidism der Mode von ‚Melancholie‘, die jeweils sowohl Frauen als auch Männer tragen können. Die Trauer kann Bedingung von Veränderung sein. In der Melancholie spricht sich die Sehnsucht nach Befreiung, die Sehnsucht nach einem besseren Leben und einer besseren Welt aus. Selbst wenn diese Sehnsucht an der Wirklichkeit scheitern sollte, verbirgt sich in der Melancholie doch weiterhin der Keim ihrer Erfüllung und das Warten auf den richtigen Moment, die günstigere Zeit. Melancholie ist die Heimat der Hoffnung.

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